Christ C, Siller-Matula JM, Francesconi M, et al.

Labordiagnostik

18. FEB. 2015 |
 

Individualisierung der dualen Plättchentherapie mittels Multiplate® Thrombozytenfunktionsanalyse

In einer Studie an über 1000 konsekutiven Patienten  mit akutem Koronarsyndrom und perkutaner Intervention mit Stentimplantation wurde untersucht, ob eine peri-interventionelle Individualisierung der dualen Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern mit Hilfe der Analyse der Thrombozytenfunktion in-vitro mittels MEA (multiple electrode aggregometry) „Multiplate® - Analyser“ möglich und für die Patienten vorteilhaft ist.

Das Ziel ist es dabei, eine erhöhte Thrombozyten-Reaktivität (high on treatment platelet reactivity / HPR) bei der in-vitro Stimulation der Thrombozyten mit den Aktivatoren ADP und Arachidonsäure zu erkennen. Eine erhöhte Thrombozytenreaktivitär trat unter Clopidogrel bei 30% der Patienten auf und wurde in der Folge durch Prasugrel- oder Ticagrelor-Gabe überwunden.

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass eine peri-interventionelle Individualisierung der dualen Antiplättchentherapie mittels Messung der Thrombozytenggregation mit Multiplate® thrombotische Ereignisse verhindert werden können.

Individualising dual antiplatelet therapy after percutaneous coronary intervention: the IDEAL-PCI registry. BMJ Open 2014;4:e005781

Labordiagnostik

12. JAN. 2015 |
 

Kaum Evidenz für Schilddrüsenfunktionsscreening im Labor

Etwa 5% der Bevölkerung haben eine unentdeckte subklinische Schilddrüsenfunktionsstörung und ca. 0.5% eine manifeste nicht diagnostizierte Schulddrüsenerkrankung. In einer Metaanalyse wurde untersucht, ob die Evidenzlage ein laborchemisches Schilddrüsenscreening rechtfertigt.

Es gibt keine einzige Studie, die Screening im Vergleich zu Nicht-Screening in ihren positiven und allenfalls negativen Auswirkungen auf den Patienten einem direkten Vergleich unterzieht.

In einer retrospektiven Kohortenstudie mit durchschnittlicher wisssenschaftlicher Qualität wurde gezeigt, dass die Behandlung der subklinischen Hypothyreose das Risiko eines KHK Ereignisses senkt. Die Effekte auf den Lipidstoffwechsel waren in verschiedenen Studie sehr inkonsistent.

Die Autoren der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) ziehen die Schlussfolgerung, dass die Datenlage derzeit unzureichend ist, um bei nicht symptomatischen nicht schwangeren Erwachsenen ein Schilddrüsenscreening uneingeschränkt empfehlen zu können und dass mehr Studien zu diesem Thema notwendig sind.

Screening and Treatment of Thyroid Dysfunction: An Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med. 2015;162:35-45

Labordiagnostik

05. SEP. 2014 |
 

Einfaches Mikroalbuminurie-Screening

Die Microalbuminurie (Ausscheidung von 30 bis 300 mg/24 Stunden) ist ein unabhängiger Risikofaktor für eine Nierenschädigung mit Abnahme der Nierenfunktion und wird als Screeningparameter bei Diabetikern eingesetzt.

In einer Metaanalyse in JAMA Internal Medicine zeigten Wu und Mitarbeiter, dass die Bestimmung der Albuminkonzentration im Spontanharn eine vergleichbar hohe Sensitivität und Spezifität besitzt  wie die aufwendigere und teurere Bestimmung der Albumin/Creatinin-Ratio im 24 h – Sammelharn.

Bei zunehmender Inzidenz von Diabetes mellitus und der generell starken Belastung finanzieller Resourcen des Gesundheitswesens wäre also die Albuminbestimmung im Spontanharn ein guter Screeningparameter für Mikroalbuminurie bei Diabetikern.

Diagnostic Performance of Random Urine Samples Using Albumin Concentration vs Ratio of Albumin to Creatinine for Microalbuminuria Screening in Patients With Diabetes Mellitus       

 A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA Intern Med. 2014; 174: 1108-1115     

Linkins LA, Bates SM, Lang E, et al.

Labordiagnostik

21. MAR. 2014 | Annals of Internal Medicine
 

"Selektive" D-Dimer Teststrategie

Der D-Dimer Test wird (in Kombination mit einem Score zur Abschätzung der Prä-Test Wahrscheinlichkeit) zum Ausschluss einer tiefen Beinvenenthrombose (TVT) verwendet. Ein negativer D-Dimer Test in Kombination mit niedriger Prä-Test Wahrscheinlichkeit erlaubt einen Ausschluss der Diagnose TVT ohne weitere (Ultraschall-) Untersuchung.

Trotzdem werden mit einem solchen Vorgehen viele Ultraschalluntersuchungen bei Patienten mit positivem D-Dimer bei niedriger Prä-Test Wahrscheinlichkeit durchgeführt.

Linkins et al untersuchten in einer Studie an 1723 Patienten ein anderes Vorgehen und verzichteten bei mittlerer oder hoher Prä-Test Wahrscheinlichkeit ganz auf den D-Dimer Test und schickten die Patienten direkt zum Ultraschall. Weiters setzten sie bei niedriger Prä-Test Wahrscheinlichkeit den D-Dimer Grenzwert ab dem mittels Ultraschall untersucht wird von 0.5 auf 1 µg/ml hinauf (bei mittlerer Wahrscheinlichkeit blieb er bei 0.5 µg/ml).

Mit dieser „selektiven“ D-Dimer Teststrategie konnte bei gleichwertigen klinischem Ergebnis die Anzahl der D-Dimer Tests um ca. 20%, die der Ultraschalluntersuchungen um ca. 7% gesenkt werde.

Limiting d-Dimer Testing to Patients With Low or Moderate Pretest Probability of First Episode of Deep Venous Thrombosis Reduces Number of Tests, Ann Intern Med. 2013; 158:93-100.

 

Villanueva C, Colomo A, Bosch A, et al.

Blutgruppenserologie

12. MAR. 2014 | New England Journal of Medicine
 

Transfusionsstrategien bei Patienten mit akuter oberer GI-Blutung

Aktuelle Richtlinien zur Transfusion von Erythrozytenkonzentraten empfehlen bei stabilen Patienten ein restriktives Vorgehen d.h.: es soll erst bei Hämoglobin Werten von < 7g/dL transfundiert werden.

Unklar ist bisher das Vorgehen bei Patienten mit akuten GI-Blutungen, weil diese aus den Studien ausgeschlossen wurden.

In einer Studie mit 921 Patienten mit oberer GI-Blutung untersuchten Villanueva et al den Unterschied zwischen einer konventionellen Transfusionsstrategie ab Hb <9 g/dL und einer restriktiven Strategie ab Hb < 7g/dL.

Die restriktive Transfusionsstrategie führte nicht nur wie vorhersehbar zu einer Einsparung von Erythrozytenkonzentraten um ca. 60%, sondern auch zu einer Verminderung der Mortalität von 9% auf 5%.

Die Autoren empfehlen bei hämodynamisch stabilen Patienten mit oberer GI-Blutung erst ab einem Hb Wert von <7 g/dL zu transfundieren. Damit kommt es pro 25 Patienten zur Verhinderung eines Todesfalls bei gleichzeitiger Einsparung der (immer knapper werdenden) Recource Erythrozytenkonzentrat.

A Restrictive Transfusion Strategy Reduced Mortality in Patients With Acute Upper Gastrointestinal Bleeding, N Engl J Med. 2013; 368:11-21.

 

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