mitglied der lab_group

Medizinisches Diagnostik- und Servicezentrum


Aktuelle Forschung

Viney NJ, et al.

Labordiagnostik

| Lancet
 

Neue Therapie zur Senkung des Lipoprotein (a) Spiegels

Lipoprotein (a) / Lp(a) ist ein häufiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Ca. 20% aller Menschen haben erhöhte Blutspiegel von über 30 mg/dl (entspricht ca. 75 nmol/l). Bisher gab es keine spezifischen therapeutischen Möglichkeiten den Lp(a) Spiegel signifikant zu senken. Das ist auch einer der Gründe, weshalb dieser Laborparameter oft nicht im Lipidpanel mitanalysiert wurde. Nun wurde eine neue Oligonukleotid-basierte Therapie zur Senkung der Lp(a) Spiegel entwickelt und in einer Multicenter Phase II Studie evaluiert. Dabei konnten ohne Nebenwirkungen Senkungen des Lp(a) Spiegels von ca. 70% erreicht werden. Das ist ein vielversprechender neuer Weg einen bisher nicht modifizierbaren starken (genetischen) Risikofaktor in den Griff zu bekommen. Spannend werden jetzt weiterführende Studie und die Frage, ob durch die Lp(a) Senkung auch kardiovaskuläre Ereignisse reduziert/verhindert werden können. Es sollte jetzt auch im Screening an diesen wichtigen Parameter gedacht werden. 

Antisense oligonucleotides targeting apolipoprotein(a) in people with raised lipoprotein(a): two randomised, double-blind, placebo-controlled, dose-ranging trials. Lancet 2016;388:2239-53.

Villanueva H, Llurba E, Chantraine F, et al.

Labordiagnostik

| New England Journal of Medicine
 

Ausschluss einer Präeklampsie mittels Labormessung des Quotienten aus sFlt-1/PlGF

In einer prospektiven Multicenterstudie an 500 schwangeren Frauen, bei denen der klinische Verdacht auf eine Präeklampsie bestand wurde untersucht, ob mittels eines berechneten Quotienten aus 2 Blutwerten (soluble fms-like Tyrosin kinase-1 und Placental growth factor) eine vermutete Präeklampsie ausgeschlossen werden kann.

Eine Messung dieser Laborparameter in der 24. bis 36. Schwangerschaftswoche ermöglichte ab einem Grenzwert von 38 oder darunter einen Ausschluss einer Präeklampsie, welche klinisch vermutet wurde. Der negative prädiktive Wert dafür war 99%. Für einen Wert des Quotienten über 38 betrug der positive prädiktive Wert dafür, innerhalb der nächsten 4 Wochen eine Präeklamsie zu entwickeln 37%.

Die Schlussfolgerung aus dieser Studie ist, dass mittels einer einfachen Ratio aus 2 Laborwerten eine klinisch vermutete Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche ausgeschlossen werden kann.

Predictive Value of the sFlt-1:PlGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. N Engl J Med 2016;374:13-22.

Whitlock EL et al

Blutgruppenserologie

|
 

Erythrozytenkonzentrate und perioperativer Myokardinfarkt

Die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten ist auch mit Nebenwirkungen verbunden. Studien zeigten, dass Erythrozyten mit zunehmender Lagerung ihre Eigenschaften negativ verändern (sie werden unflexibler, haften vermehrt am Endothel und können Thrombozyten aktivieren und aggregieren). Innerhalb der ersten 24h nach Gabe führen Erythrozytenkonzentrate auch zu keiner verbesserten Gewebeoxygenierung.

In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurde an ca. 40.000 operierten Patienten, die Bluttransfusionen erhalten hatten untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen perioperativer Erythrozytengabe und ischämischen Ereignissen gibt.

Die Gabe von Erythrozytenkonzentraten führte zu einer erhöhten Rate von perioperativen ischämischen Ereignissen (Insulte, Myokardinfarkte).

Harms associated with single unit perioperative transfusion: retrospective population based analysis. BMJ 2015;350:h3037

Christ C, Siller-Matula JM, Francesconi M, et al.

Labordiagnostik

|
 

Individualisierung der dualen Plättchentherapie mittels Multiplate® Thrombozytenfunktionsanalyse

In einer Studie an über 1000 konsekutiven Patienten  mit akutem Koronarsyndrom und perkutaner Intervention mit Stentimplantation wurde untersucht, ob eine peri-interventionelle Individualisierung der dualen Therapie mit Thrombozytenaggregationshemmern mit Hilfe der Analyse der Thrombozytenfunktion in-vitro mittels MEA (multiple electrode aggregometry) „Multiplate® - Analyser“ möglich und für die Patienten vorteilhaft ist.

Das Ziel ist es dabei, eine erhöhte Thrombozyten-Reaktivität (high on treatment platelet reactivity / HPR) bei der in-vitro Stimulation der Thrombozyten mit den Aktivatoren ADP und Arachidonsäure zu erkennen. Eine erhöhte Thrombozytenreaktivitär trat unter Clopidogrel bei 30% der Patienten auf und wurde in der Folge durch Prasugrel- oder Ticagrelor-Gabe überwunden.

Die Autoren ziehen die Schlussfolgerung, dass eine peri-interventionelle Individualisierung der dualen Antiplättchentherapie mittels Messung der Thrombozytenggregation mit Multiplate® thrombotische Ereignisse verhindert werden können.

Individualising dual antiplatelet therapy after percutaneous coronary intervention: the IDEAL-PCI registry. BMJ Open 2014;4:e005781

Labordiagnostik

|
 

Kaum Evidenz für Schilddrüsenfunktionsscreening im Labor

Etwa 5% der Bevölkerung haben eine unentdeckte subklinische Schilddrüsenfunktionsstörung und ca. 0.5% eine manifeste nicht diagnostizierte Schulddrüsenerkrankung. In einer Metaanalyse wurde untersucht, ob die Evidenzlage ein laborchemisches Schilddrüsenscreening rechtfertigt.

Es gibt keine einzige Studie, die Screening im Vergleich zu Nicht-Screening in ihren positiven und allenfalls negativen Auswirkungen auf den Patienten einem direkten Vergleich unterzieht.

In einer retrospektiven Kohortenstudie mit durchschnittlicher wisssenschaftlicher Qualität wurde gezeigt, dass die Behandlung der subklinischen Hypothyreose das Risiko eines KHK Ereignisses senkt. Die Effekte auf den Lipidstoffwechsel waren in verschiedenen Studie sehr inkonsistent.

Die Autoren der U.S. Preventive Services Task Force (USPSTF) ziehen die Schlussfolgerung, dass die Datenlage derzeit unzureichend ist, um bei nicht symptomatischen nicht schwangeren Erwachsenen ein Schilddrüsenscreening uneingeschränkt empfehlen zu können und dass mehr Studien zu diesem Thema notwendig sind.

Screening and Treatment of Thyroid Dysfunction: An Evidence Review for the U.S. Preventive Services Task Force. Ann Intern Med. 2015;162:35-45

1 2 Nächste Seite >