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Medizinisches Diagnostik- und Servicezentrum


Aktuelle Forschung

McCullogh

Labordiagnostik

| JACC
 

Interpretation von NT-pro BNP Werten für klinische Entscheidungen

In einem Editorial Comment im Journal des American College of Cardiology wird auf eine aktuelle Studie (ICON-RELOADED) zu altersentsprechenden Normalwerten für NT-proBNP Bezug genommen. Im Gegensatz zum BNP, welches mit 100 pg/ml einen einheitlichen Grenzwert für die Diagnose der akuten Herzinsuffizienz aufweist, ist dies beim NT-proBNP aufgrund einer starken Abhängigkeit von der Nierenfunktion (und damit des Alters) nicht der Fall. Derzeit gilt ein Grenzwert von 120 pg/ml für unter 75-jährige und 450 pg/ml für >75 Jahre. In der ICON-RELOADED Studie werden neue cut-off Werte zum rule-in und rule-out einer Herzinsuffizienz vorgeschlagen. Die neuen rule-in Grenzwerte sind >450 (unter 50 Jahre), >900 (50-75 Jahre) und >1800 pg/ml (über 75 Jahre). Zum Ausschluss einer Herzinsuffizienz (rule-out) wird ein einheitlicher Wert von <300 pg/ml vorgeschlagen. Daraus ergibt sich ein sehr großer Graubereich zwischen rule-in und rule-out. In diesem Bereich (bei über 75-jährigen also zwischen 300 und 1800 pg/ml) ist der NT-proBNP Wert allein von eingeschränkter Brauchbarkeit und muss im Kontext von Alter und Nierenfunktion interpretiert werden.

Interpreting the wide range of NT-proBNP concentrations in clinical decision making. J Am Coll Cardiol 71(11):2101-3 (2018).

N-Terminal Pro–B-Type Natriuretic Peptide in the Emergency Department The ICON-RELOADED Study. J Am Coll Cardiol;71:1191–200 (2018).

Zhao JG, et al.

Labordiagnostik

| JAMA
 

Kein Effekt von Calcium und/oder Vitamin D Supplementation auf Frakturinzidenz bei über 50-jährigen

Osteoporose-bedingte Frakturen beim alten Menschen sind eine bedeutende soziale und auch finanzielle Belastung für das Gesundheitssystem. Deshalb ist eine Verhinderung solcher Frakturen ein wichtiges gesundheitspolitisches Ziel. Verschiedene Studie kamen bisher zu widersprüchlichen Ergebnissen, ob Supplementation mit Calcium und / oder Vitamin D effektiv sind. In dieser Metaanalyse wurden 33 randomisierte Studien mit insgesamt 50.000 über 50-jährigen Personen untersucht. Es konnte kein Effekt einer Calcium und / oder Vitamin D Supplementation auf das Risiko einer Hüftfraktur gefunden werden. Interessanterweise war auch der Blutspiegel von 25-Hydroxy Vitamin D kein Vorhersageparameter für Frakturen.

Association Between Calcium or Vitamin D Supplementation and Fracture Incidence in community-dwelling older adults: A Systematic Review and Meta-analysis. JAMA 2017;318:2466-82.

Viney NJ, et al.

Labordiagnostik

| Lancet
 

Neue Therapie zur Senkung des Lipoprotein (a) Spiegels

Lipoprotein (a) / Lp(a) ist ein häufiger Risikofaktor für kardiovaskuläre Ereignisse. Ca. 20% aller Menschen haben erhöhte Blutspiegel von über 30 mg/dl (entspricht ca. 75 nmol/l). Bisher gab es keine spezifischen therapeutischen Möglichkeiten den Lp(a) Spiegel signifikant zu senken. Das ist auch einer der Gründe, weshalb dieser Laborparameter oft nicht im Lipidpanel mitanalysiert wurde. Nun wurde eine neue Oligonukleotid-basierte Therapie zur Senkung der Lp(a) Spiegel entwickelt und in einer Multicenter Phase II Studie evaluiert. Dabei konnten ohne Nebenwirkungen Senkungen des Lp(a) Spiegels von ca. 70% erreicht werden. Das ist ein vielversprechender neuer Weg einen bisher nicht modifizierbaren starken (genetischen) Risikofaktor in den Griff zu bekommen. Spannend werden jetzt weiterführende Studie und die Frage, ob durch die Lp(a) Senkung auch kardiovaskuläre Ereignisse reduziert/verhindert werden können. Es sollte jetzt auch im Screening an diesen wichtigen Parameter gedacht werden. 

Antisense oligonucleotides targeting apolipoprotein(a) in people with raised lipoprotein(a): two randomised, double-blind, placebo-controlled, dose-ranging trials. Lancet 2016;388:2239-53.

Villanueva H, Llurba E, Chantraine F, et al.

Labordiagnostik

| New England Journal of Medicine
 

Ausschluss einer Präeklampsie mittels Labormessung des Quotienten aus sFlt-1/PlGF

In einer prospektiven Multicenterstudie an 500 schwangeren Frauen, bei denen der klinische Verdacht auf eine Präeklampsie bestand wurde untersucht, ob mittels eines berechneten Quotienten aus 2 Blutwerten (soluble fms-like Tyrosin kinase-1 und Placental growth factor) eine vermutete Präeklampsie ausgeschlossen werden kann.

Eine Messung dieser Laborparameter in der 24. bis 36. Schwangerschaftswoche ermöglichte ab einem Grenzwert von 38 oder darunter einen Ausschluss einer Präeklampsie, welche klinisch vermutet wurde. Der negative prädiktive Wert dafür war 99%. Für einen Wert des Quotienten über 38 betrug der positive prädiktive Wert dafür, innerhalb der nächsten 4 Wochen eine Präeklamsie zu entwickeln 37%.

Die Schlussfolgerung aus dieser Studie ist, dass mittels einer einfachen Ratio aus 2 Laborwerten eine klinisch vermutete Präeklampsie innerhalb der nächsten Woche ausgeschlossen werden kann.

Predictive Value of the sFlt-1:PlGF Ratio in Women with Suspected Preeclampsia. N Engl J Med 2016;374:13-22.

Whitlock EL et al

Blutgruppenserologie

|
 

Erythrozytenkonzentrate und perioperativer Myokardinfarkt

Die Transfusion von Erythrozytenkonzentraten ist auch mit Nebenwirkungen verbunden. Studien zeigten, dass Erythrozyten mit zunehmender Lagerung ihre Eigenschaften negativ verändern (sie werden unflexibler, haften vermehrt am Endothel und können Thrombozyten aktivieren und aggregieren). Innerhalb der ersten 24h nach Gabe führen Erythrozytenkonzentrate auch zu keiner verbesserten Gewebeoxygenierung.

In dieser retrospektiven Kohortenstudie wurde an ca. 40.000 operierten Patienten, die Bluttransfusionen erhalten hatten untersucht, ob es einen Zusammenhang zwischen perioperativer Erythrozytengabe und ischämischen Ereignissen gibt.

Die Gabe von Erythrozytenkonzentraten führte zu einer erhöhten Rate von perioperativen ischämischen Ereignissen (Insulte, Myokardinfarkte).

Harms associated with single unit perioperative transfusion: retrospective population based analysis. BMJ 2015;350:h3037

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